Chronik
Die Steinhilber Fasnet läßt sich zurückverfolgen bis zum Jahr 1892.
Damals machten die örtlichen Vereine unter der Anführung des Hanswurschtels ein Fasnetsprogramm, das sich zum größten Teil auf der Straße und um ein eigens dafür jährlich aufgebautes Fasnetshäusle abspielte, welches auch auf einem Bild aus dem Jahr 1903 zu sehen ist. Ein Fasnetsplakat aus dem Jahr 1907 (Bild rechts) gibt uns eine Beschreibung des damaligen Fasnetsprogrammes. So wird u. a. darauf zum Umzug eingeladen. Die detaillierte, närrische Beschreibung des Umzugweges ist in dieser Form wohl einmalig. Hier ein kleines Beispiel aus dem Plakattext..
„Nachmittags 1.59 Minuten bewegt sich der Zug von der historischen Ecke des Hasenwinkels durchs Demokratengäßchen ins Baronenviertel zum Jungfernsee, von dort aus am meteorologischen Institut Feld 2, Goldfischerei und Entbindungsanstalt vorbei zur Hauptwache. Von da Überblick auf die Prachtvolle Fürstenhöhe“
In diesem Stil geht die Beschreibung weiter und ein unwissender Leser hat den Eindruck gewonnen, es handelt sich um einen Umzug in einer Großstadt und nicht einem 636 Einwohner zählendem Dorf. Die Einheimischen wußten natürlich alle was gemeint war und warum die verschiedenen Punkte des Umzugweges genau tituliert wurden.
Mit „Abendstückla“ (Sketchen) von den „Ledigen“ und den närrischen frechen Sprüchen des Hanswurschtels, die so manchem Steinhilbener unter den Hut gingen, wurde das Fasnetsprogramm bis zum Beginn des 2. Weltkrieges gestaltet. Nach dem Krieg fand 1947 wieder die erste Fasnet statt, welche vom damaligen „Narrenvadder“ Matthäus Betz organisiert wurde. Zu dieser Zeit mußte der Most noch mit ins Wirtshaus gebracht werden, weil Bier und Wein Mangelware waren. Da sich die Steinhilber Fasnet in den weiteren Jahren vergrößerte, wurden die Aufgaben des „Narrenvadders“ vom Narrenkomitee übernommen, dessen Nachfolger sich dann Elferrat nannte.
1965 erlebte die Steinhilber Fasnet wieder einen Aufschwung. Ein sogenannter Bürgerball wurde ins Leben gerufen, welcher die Aufführungen aus der Vorkriegszeit (Fasnetshäusle) nicht nur ersetzte, sondern auch erweiterte. Dieser Bürgerball ist zwischenzeitlich einer der Hauptbestandteile der Hausfasnet.
1976 fertigten Frauen der Zunft eine Vereinsfahne an, die auf einer Seite das Gemeindewappen und auf der anderen den Hanswurschtel darstellt.
1977 wurde dann die Narrenzunft Steinhilben unter Zunftmeister Heribert Locher gegründet und 1978 ins Vereinsregister eingetragen.
Aus dem Elferrat wurde der Zunftrat. In den Jahren seit der Vereinsgründung ist in unserem Dorf einiges geschehen, um wie unsere Vorfahren, die Fasnet in Anlehnung an das alte Brauchtum so schön wie möglich zu gestalten. Am Fasnetsmontag wird mit großem Lärm die Ortschaft durch die Jungnarren geweckt. Danach trifft sich alles beim Schul– und Rathaus zur Narrenspeisung, wo jeder Bürger ein Vesper bekommt. Parallel dazu wird der Narrenbaum versteigert. Auch heute noch wird der Fasnetsumzug traditionsgemäß am Dienstag durchgeführt. Neu hinzugekommene Aktivitäten bei der Hausfasnet sind die Schülerbefreiung und das große Spektakel um die Fasnetsverbrennung am Dienstag.
Seit 1977 gilt auch der bekannte Fasnetsruf „Schlippr, Schlappr, - Hülaschlappr“.
In Anlehnung daran wurde 1978 die erste Maskengruppe, die „Hülaschlappr“ gegründet.
1981 beschaffte die Narrenzunft für die Zunfträte ein neues Häs, welches in Anlehnung an das Festhäs unserer Vorfahren geschneidert wurde.
Immer mehr wollten nun bei der Fasnet mitwirken und so wurden Überlegungen angestellt, welche Ereignisse aus der dörflichen Vergangenheit sich am besten durch eine Maske mit Häs ausdrücken lassen.
Daraus entstand 1983 die Gruppe der „Küchlesnarren“ und 1985 die Gruppe der „Schwarzhülahutzla“.
1983 wurde ein Antrag auf Aufnahme in den „Ring der freien oberschwäbischen Narrenzünfte“ gestellt. Dieser Antrag wurde wegen eines damals bestehenden Aufnahmestops jedoch zurückgestellt. Man wurde als sogenannte „Gastzunft“ im Ring aufgenommen.
1987 konnte man dann doch die ordentliche Aufnahme erreichen, was nicht zuletzt auf die Orginalität der Steinhilber Fasnet, insbesondere auch ihrer Maskendarstellungen zurückzuführen war. Im gleichen Jahr wurde auch ein Freundschaftstreffen befreundeter Zünfte in Steinhilben mit großem Erfolg durchgeführt, was bis dahin die größte Fasnetsveranstaltung am Ort war.
Erwähnenswert ist auch der Besuch der Zunft 1988 in den USA. Organisiert durch „Schwaben International“ besuchte man die Staaten Iowa, Minnesota, Wisconsin und Illinois. Das Mitwirken beim „Heritage-Fest“ in New Ulm (Minnesota) wurde für alle Beteiligten zu einem unvergeßlichen Erlebnis.
1989 konnte man eine eigene Zunftstube im Untergeschoß des Schul- und Rathauses einweihen.
Aus der ursprünglichen Kinderfasnet am Rosenmontag entstand 1989 der erste „Kinderbürgerball“, der sich im Lauf der Jahre zu einer ansprechenden und gut besuchten Veranstaltung entwickelte.
1990 wurde die „Schalmeienkapelle“ gegründet, welche durch ihre musikalischen Einlagen eine zusätzliche Bereicherung für die Narrenzunft ist.
Witterungsbedingt ausfallen mußte 1990 die Straßenfasnet und 1991 sogar die ganze Veranstaltung wegen des Golfkrieges.
1992 wurde vor der eigentlichen Hausfasnet ein Doppeljubiläum mit einem großen Narrentreffen begangen. Man feierte 85 Jahre Steinhilber Fasnet und gleichzeitig das 15-jährige Bestehen der Narrenzunft Steinhilben e.V.
Im Sommer 1997 ging ein langersehnter Wunsch der Steinhilber Verein in Erfüllung. Der ehemalige Farrenstall wurde durch Zuschüsse und viel Eigenleistung zu einem Vereinshaus umgebaut.
Jeder beteiligte Verein (Narrenzunft, Musikverein, Männergesangverein u. Albverein) erhält einen eigenen Raum.
Ein weiterer Höhepunkt der Steinhilber Fasnet war das Ringtreffen der „Vereinigung Freier Oberschwäbischer Narrenzünfte“, das am 18. und 19. Januar 1997 stattfand.
Das Ringtreffen der „Vereinigung Freier Oberschwäbischer Narrenzünfte“, das am 12. und 13. Februar 2011 stattfand war ein erneuter Höhepunkt in der Steinhilber Fasnet.